Der DRK-Kreisverband Hochtaunus und der DRK-Ortsverein Oberursel errichten derzeit am Hammergarten in direkter Nachbarschaft des Elaya-Hotels eine Unterkunft für den ehrenamtlich arbeitenden DRK-Ortsverein sowie den ebenfalls ehrenamtlich geleisteten Katastrophenschutz unter einem Dach mit der ebenfalls neuen Rettungswache für den hauptamtlichen Regelrettungsdienst. Von ihm aus werden ab Frühjahr innerhalb der gesetzlichen Hilfeleistungsfrist die Bereiche Oberursel, Steinbach, Oberhöchstadt sowie Kronberg-Süd notfallmedizinisch versorgt. Das Investitionsvolumen für den langgestreckten Funktionsbau beträgt rund 5,5 Millionen Euro, wovon rund 2 Millionen auf die Ortsvereinsunterkunft entfallen. „Ohne die finanzielle Unterstützung durch den Hochtaunuskreis und die Stadt Oberursel, die den Bau mit 400000, bzw. 500000 Euro fördern, sowie ohne die Eigenmittel des Ortsvereins von 300000 Euro wäre ein solches modernes Hilfeleistungszentrum kaum zu stemmen gewesen“, sagte DRK-Kreisverbandspräsident Jürgen Banzer am Dienstag bei einem Ortstermin, an dem auch Landrat Ulrich Krebs, Erster Kreisbeigeordneter Thorsten Schorr, der DRK-Vizepräsident und Landtagsabgeordnete Holger Bellino sowie Jürgen Hirzel, stellvertretender Fachbereichsleiter Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz beim Hochtaunuskreis, teilgenommen haben.
Krebs, der sich beim Rundgang vom bereits weitestgehend ablesbaren, großzügigen und funktionalen Raumkonzept beeindruckt zeigte, sagte, es sei ihm eine besondere Freude, DRK-Präsident Jürgen Banzer den Zuwendungsbescheid über 400.000 Euro nun auch offiziell übergeben zu können, „ich bin froh, dass wir helfen können und weiß, wie enorm wichtig Ehrenamt gerade im Bereich Menschenrettung und Katastrophenschutz ist“, sagte Krebs. Der Landkreis setze damit sein Ko-Finanzierungsprogramm, mit dem in den letzten Jahren mehrere Rettungsstützpunkte, etwa in Friedrichsdorf neu gebaut und in Usingen als Bestandsimmobilie gekauft werden konnten, fort und investiere damit in die Sicherheitsinfrastruktur des Hochtaunuskreises. Angesichts des in den letzten Tagen eskalierenden Iran-Krieges und seiner noch lange nicht absehbaren Folgen erscheine diese Unterstützung nötiger denn je.
Krebs beglückwünschte den DRK-Ortsverein Oberursel, der mit 93 Kräften die stärkste der insgesamt 10 Bereitschaften im Kreisverband hat. Nach schier endloser mit großer Geduld ertragener Wartezeit habe er nun Aussicht, binnen weniger Wochen aus seiner derzeitigen Unterkunft in der Marxstraße, die am allerbesten wohl mit „Bruchbude“ umschrieben werden könne, in den Neubau umziehen zu können. Das neue Gebäude trage insbesondere auch dazu bei, dass das DRK im Wettbewerb mit anderen Organisationen um Ehrenamtliche nun außerordentlich attraktive Rahmen- und Arbeitsbedingungen bieten könne. Nur so lasse sich nachhaltiges Interesse für die Mitarbeit in einer Organisation wie dem DRK erzeugen.
Michael Wagner, Finanzvorstand des DRK-Ortsvereins Oberursel, sagte, er arbeite seit nunmehr 26 Jahren im DRK-Vorstand mit, und selbst als er damals neu gewesen sei, habe man bereits Neubaupläne diskutiert. Nun sei es endlich soweit, „wir freuen uns ganz toll, dass wir bald nicht mehr mit notdürftig eingezogenen Stützpfosten leben und arbeiten müssen und sind dem Hochtaunuskreis, aber auch der Stadt Oberursel sehr dankbar für die finanzielle Förderung“, sagte Wagner, der in diesem Zusammenhang auch den vom Ortsverein durch jahrzehntelanges Sparen aufgebrachten Eigenanteil von 300000 Euro hervorhob. Das alles sei aber sehr gut angelegtes Geld und mache das DRK in Oberursel fit für die Zukunft.
Heiko Selzer, DRK-Kreisgeschäftsführer, zeigte sich beim Rundgang über den raschen Baufortschritt des erst im September 2024 begonnenen Werks erfreut. 20 Jahre lang sei nach einem passenden Grundstück für das Projekt, Rettungswache und Ortsvereinsunterkunft unter einem Dach unterzubringen und damit die haupt- und ehrenamtliche Versorgung der Bevölkerung mit Rettungsdienstleistung sicherzustellen, gesucht worden. 15 Adressen seien geprüft und wieder verworfen worden. Jetzt und auch dank der großzügigen Unterstützung durch den Hochtaunuskreis und die Stadt Oberursel sei es dem DRK möglich, eine Einweihung im Zeitkorridor April/Mai zu planen. Zuerst werde wohl der hauptamtliche Rettungsdienst vom neuen Depot aus Einsätze fahren, beim Ortsverein könnte sich das Kistenpacken vielleicht noch etwas länger hinziehen, in greifbarer Nähe sei es aber jetzt schon.
Das Grundstück ist mit 2000 m² für den Bedarf des DRK eher knapp bemessen, sodass eine Grenzbebauung zur benachbarten Kindertagesstätte notwendig wurde. Parkplätze auf dem Grundstück sind knapp, das DRK ist hier auf Stellplätze im öffentlichen Raum angewiesen, deren Nutzung aber schon von der Stadt zugesagt worden sei, erklärte Selzer. Das neue Rettungs- und Hilfeleistungszentrum umfasst 1243 Quadratmeter Nutzfläche. Davon entfallen 688 auf die Rettungswache und 555 auf die Unterkunft des Ortsvereins. Der Gebäudekomplex wurde in Massivbauweise nach neuesten energetischen Standards errichtet. Zur ökologischen Optimierung wurde unter anderem eine Dachbegrünung, eine Hochleistungswärmepumpe sowie eine Photovoltaikanlage installiert.
Die Räumlichkeiten des Ortsvereins sind über ein zentrales Treppenhaus direkt mit der Rettungswache verbunden. Zugunsten einer effizienten Nutzung der Synergieeffekte wurde bewusst von einer Trennung auf zwei Grundstücke abgewichen. Die enge Nachbarschaft zwischen Ehren- und Hauptamt ist deshalb einsatztaktisch wichtig, weil ehrenamtliche Kräfte häufig im Hintergrund bereitstehen müssen, um im Fall einer Überlastung des Regelrettungsdienstes mit eigenen Rettungsmitteln einzuspringen. Pro Jahr fallen so rund 40 Bereitschaftsdienste an.
Der linke Gebäudeteil des Ortsvereins bietet im Erdgeschoss Stellflächen für acht Fahrzeuge, im 1. Obergeschoss finden sich Sanitär- und Sozialräume sowie Flächen für den Sanitäts- und Katastrophenschutzdienst, die Bereiche Wohlfahrts- und Sozialarbeit sowie das Jugendrotkreuz, mit derzeit rund 20 Nachwuchskräften die größte JRK-Gruppe im Kreisverband. Im 2. Obergeschoss entsteht ein großer Übungs-, Schulungs- und Konferenzraum, der barrierefrei über einen Aufzug zugänglich ist.
In der neuen Rettungswache im rechten Gebäudeteil werden zwei Rettungswagen (RTW) im 24-Stunden-Dienst, ein RTW im 12-Stunden-Dienst sowie ein Krankentransportwagen (KTW) im Tagdienst stehen. Fahrzeughallen, Wachleiterbüro, Aufenthalts-, Sanitär- und Einzelzimmer für das Rettungsdienstpersonal gehören zum Raumprogramm. Tagsüber werden in der neuen Wache bis zu 11, nachts bis zu 6 Einsatzkräfte im Dienst sein.
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Der Hochtaunuskreis unterstützt den Bau der neuen Unterkunft des DRK-Ortsvereins Oberursel. Zur Übergabe des Förderbescheids ´über 400.000 Euro durch Landrat Ulrich Krebs trafen sich am Dienstag der Einsatzleiter der Multifunktionalen Einsatzeinheit Oberursel, MFE 2, DRK-Vizepräsident Holger Bellino, Kreisgeschäftsführer Heiko Selzer, DRK-Präsident Jürgen Banzer, Ortsvereinsfinanzvorstand Michael Wagner, Landrat Ulrich Krebs und Thorsten Schorr, Erster Kreisbeigeordneter (v.li.) zu einem Rundgang über die zügig ihrer Vollendung entgegengehende Baustelle im Hammergarten. Foto: DRK-Pressestelle
