Die Fortbewegung mit dem Rollator ist nur auf den ersten Blick ein Kinderspiel. Auf den zweiten schon nicht mehr, denn die Benutzung der vierrädrigen Gehhilfen will gelernt sein. Man kann dabei viel falsch machen und sich so selbst in die Gefahr bringen, verletzt zu werden. Damit das nicht passiert, organisierte der DRK-Kreisverband Hochtaunus eine Informationsveranstaltung mit Gabriele Schättler eine erfahrene Ergotherapeutin und Trainerin im Bereich Orthopädie und Rehabilitation, die interessierten Seniorinnen und Senioren den Umgang mit dem Rollator anhand praktischer Beispiele näherbrachte. Dies geschah am 20.03.2026 gewissermaßen zum Dessert an den wöchentlich stattfindenden Mittagstisch in der Justus-von-Liebig-Straße 3a in Bad Homburg. 19 Teilnehmende hatten sich angemeldet, weit mehr als die Organisatorinnen Kathrin Kiefer und Heike Eisele vom Fachbereich Wohlfahrts- und Sozialarbeit erwartet hatten. „Offenbar haben wir mit diesem praxisnahen Angebot das Interesse der Zielgruppe mit der Idee, Sicherheit und Selbstständigkeit im Alltag beim Umgang mit dem Rollator zu erhöhen, getroffen“, freut sich Kiefer, Leiterin des Fachbereichs.
Gabriele Schättler lud ihre „Fahrschüler“ zunächst anhand einer Fülle von Tipps zu einem Exkurs durch die gar nicht so trockene Theorie des Rollator-Fahrens ein, bevor es dann an die Praxis ging. Bei der Benutzung eines Rollators gebe es keine allgemeingültige Anleitung, jeder mache es seinen eigenen Fähigkeiten entsprechend anders. Eine Spielregel gebe es jedoch, die für alle gelte: „Egal wo man gerade hin will - Sicherheit geht in jedem Fall vor“, wurde die Therapeutin nicht müde, dies immer wieder zu wiederholen.
Mit dem Rollator habe man immer einen Stuhl dabei, auf dem man sich bei Ermüdung niederlassen könne. Doch schon beim Hinsetzen, was natürlich rückwärts geschehe, lauerten Gefahren, vor allem wenn man sich nicht vergewissere, ob die Bremsen auch wirklich angezogen sind, denn sonst könnte der Rollator leicht wegrollen, sagte Gabriele Schättler. Doch nicht nur das Hinsetzen wolle gelernt sein, auch das Aufstehen. Schättler: „Dabei sich mit den Händen bitte immer auf dem Oberschenkel abstützen, nie auf den Knien, das mögen die, wenn sie angeschlagen sind, nämlich nicht.“ Schättler gab auch wichtige Ratschläge für das Ein- und Aussteigen in, bzw. aus Bussen, riet zugleich aber dazu, Mitfahrende lieber um Hilfe zu bitten, als im Alleingang einen Sturz zu riskieren. Im Bus, ein weiterer Rat der erfahrenen Ergotherapeutin, sollte auch niemand auf dem Rollator sitzen, bei einer Vollbremsung hätte das womöglich gravierende Sturzverletzungen zur Folge.
Auch Treppenabstiege mit dem Rollator erfordern Vorsicht: Am besten den Rollator festbremsen, eng am Körper führen und Stufe für Stufe vorgehen, idealerweise mit einer Hand am Geländer. Eine sichere Methode ist das Rückwärtsgehen, wobei der Rollator als Stütze vor dem Körper dient.
Beim Kurs wurde auch deutlich, dass ältere Menschen mit Gleichgewichtsstörungen Probleme haben können, sich zu drehen und in den bereitstehenden Rollator zu setzen. Einfacher und sicherer sei es, stehen zu bleiben und den in der Regel recht leichten Gehwagen mit einem leichten Schubs hinten um den eigenen Körper herumzuschieben, sich aber auch erst dann hinzusetzen, wenn die Bremsen festgestellt sind. Das, gewissermaßen hinterrücks, erfordert allerdings auch einige Übung. Jedenfalls sollte man sich, wann und wo immer man den Rollator als Sitzgelegenheit nutzen möchte, vergewissern, dass er auch dort steht, wo er stehen soll. Schättlers ganz praktischer Rat: Wie beim Hinsetzen auf einen Stuhl oder eine Bank - erst den Beinkontakt mit dem Rollator suchen und sich erst dann setzen, zur Sicherheit, weil die immer vorgeht, aber auch, wie früher beim Autofahren, den Schulterblick nicht vergessen…
