Das an der oberen Hohemarkstraße in einem ruhigen Wohnumfeld gelegene Agnes-Geering-Haus steht für seine familiäre Atmosphäre mit ganz eigenem Charme. Mit seinen 27 Pflegeplätzen ist es bewusst überschaubar und persönlich. Hier kennt man sich, nimmt sich Zeit füreinander. Bewohnerinnen und Bewohner sollen hier nicht nur gut versorgt sein, sondern sich auf ihrer letzten Lebensetappe angenommen, individuell betreut, sicher und zuhause fühlen.
Das Verständnis des DRK-Kreisverbandes von zugewandter Pflege geht deshalb auch über die reine Versorgung hinaus. Menschen, die im Agnes-Geering-Haus leben, werden in ihrer Persönlichkeit wahrgenommen, ihre individuellen Bedürfnisse werden respektiert und es wird ihnen so viel Selbstständigkeit und Lebensqualität geboten wie nur irgend möglich. Dazu gehört auch, dass im AGH von einer dreiköpfigen Küchenbrigade immer noch täglich frisch gekocht wird, bei einem so kleinen Haus sicher ein Alleinstellungsmerkmal, an dem sich aber auch in Zukunft unter neuer Trägerschaft nichts ändern soll.
Ein vertrautes Gespräch, ein gemeinsames Lachen, ein offenes Ohr oder einfach die Gewissheit, dass jemand da ist – oft sind es die kleinen Dinge, die den großen Unterschied machen, im Umgang mit den Bewohnern, aber auch deren manchmal hilflosen Angehörigen. Als Teil des DRK-Kreisverbandes verbindet das AGH diese persönliche, familiäre Prägung mit der Stärke und Erfahrung einer etablierten Gemeinschaft. Was die Einrichtung mit ihren 27 Pflegeplätzen ausmacht, ist eine familiäre Atmosphäre mit ganz besonderem Charme. Das AGH ist damit ein Ort, an dem Menschlichkeit zuhause ist.
Das von einem 4000 Quadratmeter großen, parkähnlichen Garten umgebene, unter Denkmalschutz stehende Agnes-Geering-Haus mit seiner prächtigen Fachwerkfassade wurde im Sommer 1903 als Frankfurter Lehrerinnenheim eröffnet. Benannt wurde es später nach Fräulein Dr. Agnes Geering (1875–1959), einer Schweizer Publizistin und Lehrerin. Sie war 24 Jahre Vorsitzende des Lehrerinnenvereins und Leiterin der später, nach sehr wechselvoller Geschichte in den Kriegs- und Nachkriegsjahren in ein Altenwohn- und Pflegeheim umgewandelten Einrichtung.
Mit der jetzt offiziell gewordenen Übernahme durch den DRK-Kreisverband Hochtaunus ist es gelungen, gleich zwei vom gesellschaftlichen Wandel verursachte Probleme und Herausforderungen zu lösen: Das DRK kann sich in der stationären Altenpflege als einer der großen sozialen Verbände im Hochtaunuskreis, der, was Pflegeplätze anbelangt, an seiner Kapazitätsgrenze angelangt war, breiter aufstellen. Und auch der bisherige Trägerverein „Agnes-Geering-Heim e.V.“ mit seiner seit über 20 Jahren amtierenden Vorsitzenden Gudrun Schmidt, dem Co-Vorsitzenden Tilmann Grünberg, Schatzmeister Lothar M. Wachter, Schriftführer Prof. Dr. Dr. Christian Winter und Beisitzerin Charlotte Paulus an der Spitze stand vor dem Problem, dass eine solche, wenn auch kleine Einrichtung angesichts einer immer aufwändiger werdenden Bürokratie im Sozialwesen auf Dauer kaum noch ehrenamtlich würde geleitet werden können. Dieses Problem ist nun auch gelöst.
Durch die Übernahme ist eine selbstständige gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung (gGmbH), wie es sie in identischer Ausrichtung auch für das Kronberger Kaiserin-Friedrich-Haus gibt, entstanden. Der bisherige Vorstand fungiert in dem neuen Konstrukt als Beirat in beratender Funktion, die bis dato knapp 60 Mitglieder, darunter auch die jeweils 27 Bewohner, bleiben dem AGH in Patenschaft verbunden, sind aber keine Mitglieder im Sinne des Vereinsrechts mehr.
Zum Übernahme-, bzw. Übergabegespräch sind jetzt in der kleinen Bibliothek des AGH DRK-Kreisverbandspräsident Jürgen Banzer, die beiden neuen Geschäftsführer Giuliana Kotitschke und Sebastian Fischer, die neuen Beiräte Gudrun Schmidt und Lothar Wachter als bisherige Vorstandsmitglieder sowie die neue Pflegedienst- und Einrichtungsleiterin Daniela Schöler zusammengekommen.
DRK-Präsident Banzer sagte, er sehe das AGH vor einer guten Zukunft, die durch das sehr vertrauensvolle Zusammenwirken zwischen DRK, Beirat und Belegschaft nachhaltig gesichert sei. In einer Zeit, in der einerseits Pflegekräfte, andererseits aber auch Pflegeplätze immer rarer werden, komme es auch auf noch so kleine, überschaubare Einrichtungen zunehmend an. Er nehme das AGH als eine sehr persönlich und mit enormem, an den individuellen Bedürfnissen seiner Bewohner ausgerichteten Engagement geführte Einrichtung wahr. Banzer versprach, dass das DRK das AGH im Sinne des Vereins und seiner Bewohner weiterführen und unterstützen werde. „Wir werden dieses Erbe annehmen und es nach Kräften zukunftsgewandt fortentwickeln“, sagte Banzer.
Ex-Vereinsvorsitzende Gudrun Schmidt machte keinen Hehl daraus, dass das Loslassen nach mehr als 20 Jahren ihr und ihren Vorstandkollegen nicht leichtgefallen ist, zugleich aber sei der Übergang in die Trägerschaft des DRK der richtige, weil die Zukunft der Einrichtung nachhaltig sichernde Schritt gewesen. Lange habe man nach einer Nachfolgeorganisation Ausschau gehalten und auch viele Gespräche geführt, sich letzten Endes aber für das DRK entschieden. Die Gespräche seien nicht immer einfach, aber stets sehr vertrauensvoll und von großer Leidenschaft geprägt gewesen, „ohne Herrn Banzer und Herrn Fischer wäre es sicher nicht so gekommen wie es zum Glück gekommen ist, dass nämlich der besondere Charme dieses Hauses eine sichere Zukunft hat, die wir ihm als ehrenamtlicher Verein auf Dauer so nicht hätten geben können“, sagte Schmidt.
Das Haus habe in der jüngeren Vergangenheit unter dem Diktat des Denkmalschutzes dennoch einige wichtige Verbesserungen erfahren, erklärte Schatzmeister Lothar Wachter. Er verwies auf verschiedene Aus- und Umbauten in den Jahren 2002 und 2009. So konnten beispielsweise Aufzüge und eine neue Gasheizung eingebaut, aber auch Barrierefreiheit im ganzen Haus hergestellt werden. Es sei so behutsam an die Erfordernisse der Zeit angepasst worden. Man sehe aber, dass dieser Prozess, gerade was die energetische Sanierung des immerhin bereits 1903 gebauten Hauses anbelangt, weitere kostspielige Herausforderungen für die neuen Träger vom DRK bereithält. Die notwendige finanzielle Grundlage dafür sei aber bereits gelegt, sagte Wachter.
Geschäftsführer Sebastian Fischer sieht in der Übernahme des AGH in die Rotkreuz-Familie eine Herausforderung im Zeichen eines schwieriger werdenden Umfeldes auf dem Gebiet der Altenpflege. Man nehme diese Aufgabe gerne an, sagte Fischer. Er freue sich, dass sich in den unter seiner Leitung und im Einvernehmen mit Präsident Banzer über fast ein Jahr auf Augenhöhe geführten Gesprächen mit dem Vorstand des Vereins viele Gemeinsamkeiten ergeben hätten. Die seien die Grundlage für dieses ehrgeizige Projekt des DRK, zukünftig Pflegedienstleistung auf noch breiterer Basis anbieten zu können. Möglich sei dies nur mit einem qualifizierten Team. Die im AGH vorgefundene Mannschaft erfülle die vorgeschriebene Fachkraftquote nicht nur, sie übertreffe sie sogar deutlich.
Co-Geschäftsführerin Giuliana Kotitschke sagte, am Pflegekonzept des AGH, aber auch am Geist des Hauses, werde sich mit der Übernahme nichts ändern. Auch das 30-köpfige Team, das bisher tolle Arbeit geleistet habe, werde komplett übernommen. Besonders froh ist Kotitschke, dass mit Daniela Schöler eine äußerst erfahrene Einrichtungs- und Pflegedienstleiterin gefunden werden konnte. Sie freue sich auf die Zusammenarbeit und darauf, den DRK-Gedanken der Menschlichkeit ins AGH einbringen zu können.
Daniela Schöler sieht das ebenso. Über viele Jahre sei sie als „Oberurseler Mädchen“ auf dem täglichen Weg zu ihren Arbeitsstätten immer am AGH vorbeigekommen, habe dabei stets durch die Einfahrt das wunderschöne Fachwerkhaus gesehen und sich immer gewünscht, eines Tages hier arbeiten zu dürfen. Nun sei es mit der ihr übertragenen Pflegedienst- und Einrichtungsleitung, die sie nicht als Beruf, sondern als Berufung ansehe, endlich so weit: „Ich bin angekommen…“, sagte sie strahlend.
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Die Übernahme des Agnes-Geering-Heims durch den DRK-Kreisverband ist perfekt. DRK-Präsident Jürgen Banzer, Beirat Lothar Wachter, Beirätin Gudrun Schmidt, Pflegedienst- und Einrichtungsleiterin Daniela Schöler sowie die Geschäftsführer Giuliana Kotitschke und Sebastian Fischer (v.li.) sehen das Altenwohn- und Pflegeheim vor einer gesicherten Zukunft. Foto: DRK-Pressestelle

